Ob gleißende Sonne oder winterlicher Frost – Hausfassaden sind das ganze Jahr über unterschiedlichsten Witterungseinflüssen ausgesetzt und müssen eine Menge aushalten. Extrem wichtig ist daher die Wahl des richtigen Materials, um eine langlebige und schützende Obefläche gegen Regen, Hagel, Schnee, Wind, Hitze und Kälte zu bekommen. Ein guter Fassadenanstrich sorgt zudem dafür, dass die Bausubstanz und Stabilität eines Hauses erhalten bleiben. Das ist der technische Part. Der Optische ist natürlich (fast) genauso wichtig. Die Fassade sollte bestenfalls zum Stil des Hauses, zur Nachbarschaft und vor allem zu seinen Bewohnern passen. Daher kommt hier mein Beitrag zur Frage des richtigen Materials (Vorsicht! Wird ein bisschen technisch) und zur harmonischen Gestaltung mit dem zweideutigen Thema:

Mit welcher Farbe streiche ich meine Fassade

Fangen wir mit dem Material an. Im Großen und Ganzen gibt es drei Typen von Fassadenfarben: Dispersionsfarben, eine Abwandlung, die Silikonharzfarben und mineralische Silikatfarben. Die Silikonharzfarben werben mit dem sogenannten „Lotuseffekt“, der Fassaden durch die selbtreinigende Wirkung langfristig sauber halten soll. Das Wasser dringt nicht ein, sondern laut Hersteller wäscht jeder Regen die Fassade wieder sauber und rein. Die Idee, eine Fassade mit einer Kunststoffschicht gegen eindringendes Wasser zu schützen, ist vielleicht erstmal nachvollziehbar, aber man muss die Folgen bedenken. Zudem heisst es, die Farben sind wirksam gegen Schimmel- und Algenbewuchs. Nicht groß kommuniziert wird, dass der Farbe, damit sie diese Eigenschaft hat, Biozide und Silikone zugeführt werden. Diese waschen sich im Laufe der Jahre mit dem Regen aus. Der Lotuseffekt, und glaubt mir, ich habe schon etliche Fassaden gesehen, lässt nach wenigen Jahren nach, und die Obeflächen sehen bei entsprechender Bewitterung grau und schmuddelig aus. Unter den Dachüberständen und den Fensterbänke, wo der Regen nicht dran kommt, reinigt sich sowieso nichts von selber. Und eine weitere üble Folge: die Auswaschungen der Biozide und Silikone gehen alle ins Grundwasser. Hier ein Forschungsbericht über den Lotuseffekt aus der Reihe „Marketing-Märchen“

Dagegen stellen wir die Mineralfarbe. Landläufige Meinung zu dem Thema: 1. ich kann eine Mineralfarbe nur auf einen mineralischen Untergrund streichen, 2. die Fassade wird naß, da das Wasser eindringen kann, 3. es gibt nur eine eingeschränkte Farbpalette aus hellen Pastelltönen.

Zu 1: Richtig, lange war es so, dass man nur auf mineralische Untergründe streichen konnte. Doch die gute Neuigkeit: die Firma Keim hat eine Sol-Silikatfarbe entwickelt, deren Bindemittel aus Kieselsol und Kaliumsilikat besteht, das in der Kombination auch auf alten Dispersionsanstriche sowie auf Neu- oder Altputzflächen fantastisch und dauerhaft hält.

Zu 2: Ja stimmt, die Fassade wird erst mal obrflächlich feucht. Dazu muss ich ein bisschen ausholen: Ein langlebiger Fassadenanstrich ist eine Frage der Bauphysik, und nicht der Chemie. Wenn man das verinnerlicht hat weiß man, worauf es ankommt – eine Oberfläche, die Feuchtigkeit aufnehmen und möglichst schnell auch wieder abgeben kann. Dadurch kann Wasser schnell abtrocknen, und Schäden, wo sich das Wasser zwischen Anstrich und Untergrund ansammelt, was zu den klassichen Abplatzungen und Wassertaschen führt, werden vermieden.

Wasser und Feuchtigkeit möglischt schnell austrocken lassen und nicht in Kunststoff einsperren

Für die Techniker unter euch: es gibt des sd-Wert, der die Dampfdurchlässigkeit beschreibt. Das „s“ steht für „Strecke“ und „d“ für „Diffusion“. Ein kleiner sd-Wert bedeutet einen hohen Feuchtigkeitsdurchlass, ein hoher sd-Wert einen geringen Feuchtigkeitsdurchlass. Der durchschnittliche SdWert liegt bei einer Dispersionsfarbe bei etwa 0,5 Meter. Das bedeutet, ich sage es jetzt mal mit meinen Worten, dass ein Anstrich Dispersionsfarbe eine Barriere von einem halben Meter (0,5 sd-Wert) aufbaut, die der Wasserdampf zum Trocknen durchdringen muss. Natürliche Mineralfarben haben in diesem Bereich ganz einfach die Nase vorn, ihre sd-Werte liegen normal zwischen 0,02 und 0,05 m. Die Fassadenfarben Soldalit von Keim, die wir für unsere Fassaden benutzen und auch in unserem Shop verkaufen, hat einen sd-Wert von 0,01 Meter (also 1 cm), die jede Oberfläche sehr schnell austrocknen lässt.

Bei Fassaden ist noch nicht mal der Regen das große Problem, sondern eher der Tau. Bleibt er lange auf einer Kunststofffarbe hängen können sich ruck zuck Algen und Pilze bilden. Wird es warm im Lande, werden Kunststofffarben klebrig und laden sich statisch auf. Dadurch finden Schmutzpartikel ideale Haftbedingungen und setzten sich an der Oberfläche fest. Eine Mineralfarben ist antistatisch und nicht thermoplastisch, von natur aus alkalisch und pilzwidrig, so dass Fassaden lange sauber und schön bleiben und mit einer natürlichen Würde altern. Das wünscht sich doch einfach jeder ;-)

Natürliche Schönheit durch brilliante Pigmente und Farbtonstabilität

Zu 2: auch richtig, lange gab es nur eine schmale Palette an mineralischen Fassadenfarben. Aber zum Glück konnten wir auch hier eine Lösung finden. In unserer eigenen Farbkollektion finden sich wunderschöne Farbtöne, die für Fassaden bestens geeignet sind. Man muss allerdings wissen, dass diese Farben kein Titandioxid enthalten. Titandioxid ist das verbreiteste Hochleistungs-Weißpigment, das Farben sehr stark deckend macht. Unlängst war es in der Diskussion, ob es als krebserregend eingestuft werden soll. Dadurch wirken unsere Farben nicht so plakatif sondern versprühen in transparenten Bindemitteln Raum und Tiefe, wirken lebendig und brilliant. Auch kräftige Farbtöne sind möglich. Und die Firma Keim garantiert 20 Jahre Farbtonstabilität, selbst auf farbintensive Töne! Das bietet sonst kein Hersteller von Kunststofffarbe – können sie gar nicht. Schaut doch mal rein, in unsere eigene Palette, was da alles Schönes möglich ist.

hier alles mal in dunkler, kann auch sehr chic sein

hier alles mal in dunkler, kann auch sehr chic sein

Farbgestaltung von Fassaden

Und nun, nach all der Technik, zu der Gestaltung und der Schönheit. Dafür ein kleiner privater Einblick:

im Moment sind wir für ein paar Tage in Frankreich und lernen die Bourgogne kennen. Eine wenig bekannte Urlaubsregion, die wieder mal ein Musterbeispiel an franzöischer Vielfalt und Schönheit darstellt. Im Südburgund, wo wir uns sehr nett im Maison Libellule einquartiert haben, finden sich überall Flüsschen, Seen, schöne alte Städtchen, die wir zu Fuß, mit den Fahrrädern oder mit dem Kanu erkunden. Feinschmecker und Weinliebhaber kommen hier überall bestens klar. Und immer wieder bin ich begeistert von dem harmonischen Gesamteindruck, den die hübschen Örtchen hier zeigen. Ich gebe es zu, bei jedem Natursteinhaus schlägt mein Herz höher und ich bestaune immer wieder dieses Farbenspiel zwischen den einzelnen Steinarten und den verputzen und gestrichenen Farbflächen. Hier haben die Franzosen wirklich, wahrscheinlich unbewußt, ein Händchen. Diese große Palette an Stein/Grau/Sand- und Ockertönen, die für das Auge einfach nur angenehm sind, nehme ich auch gerne mit in unsere Region. Klar, die Häuser und die Umgebiung sind bei uns anders. Aber eine harmonische Ästhetik wünschen wir uns ja auch. (Oder sollten es zumindest :-). Hier ein Beitrag über Gestaltung, die nicht immer gut ausgeht: „Von Goethe, den Farbsünden und dem deutschen Baumarkt“)

Keine Farbsünde sondern farbig, aber nicht bunt. Foto: Keim

Keine Farbsünde sondern farbig, aber nicht bunt. Foto: Keim

Daher mein Tipp zur Gestaltung von Fassaden: Eine neutrale Grundfarbe wählen, die gerne aus der Natur inspiriert sein kann. In unseren neutralen Tönen finden sich eine Menge Farben, die sich als Grundfarbton anbieten. Ob ein verwaschenes Leinenweiß, ein heller Greige- oder Grauton, ein mattes Blaugrau oder ein natürlicher Grau/Grünton. Natürlich muss die Nachbarschaft mit einbezogen werden. Das Bild kann nur stimmen, wenn der Eindruck von rechts und links es nicht kaputt macht. Auch die landschaftliche Umgebung spielt eine Rolle. Ist das Haus alleinstehend sollte es sich gut in seine Umgebung einfügen. Und ich bin immer dafür, wenigstens einen hellen Farbton, und sei er noch so dezent, zu streichen. Eine knall weiße Fassade kann jeder, was jedoch weniger mit Können als eher mit Einfallslosigkeit und Angst zu tun hat. Wie oft sieht man heute all die kubisch weißen Neubauten mit ihren anthrazit farbenenen Fenster. Bestenfalls ist die graue Haustür der wenig gelungene Farbklecks. Dahingegen kann eine heller Taupe- oder Graubeigeton mit einer vielleicht schönen blauen Haustür das ganze Gesamtbild wesentlich verbessern. Die meisten Architekten trauen sich einfach nicht, haben keine Zeit oder keine Ahnung, sich fundiert mit Farbgestaltung zu vefassen. Aber gebt nicht auf, ihr Bauherren und Hausbesitzer! Das Befassen mit Farben macht enorm viel Spaß und das Resultat macht froh und stolz.

Hat man einen schönen Grundton gefunden kann man Akzente in Farbe setzen. Das können Fenster, Klappläden, Garagentore, Haustüren oder kleinere Teilbereiche an der Fassade sein. Aber auch hier immer vorsichtig und nicht direkt zu dem Eimer greifen, der am lautesten schreit. Mut zur Farbe ist gut, aber oft sind die verwaschenen Töne auf Dauer die bessere Wahl. Es kann auch durchaus sein, dass ein ganzes Haus in einem kräftigen Farbton gut aussieht, aber auch hier gilt: nicht zu grell. Schaut mal, dieses Haus ist in einem schönen Rot gestrichen, aber durch die Mineralfarbe (unser Abendrot) wirkt es natürlich und bringt sich gut in die von Vulkangestein geprägten Landschaft ein. Man spürt praktisch noch das unteridische Glimmen.

Fassade in roter Mineralfarbe

Fassade in roter Mineralfarbe

Die Haustür wurde als Akzent in unserem Sahirblau, das den Himmel einfängt, lackiert.

Und hier ein Beispiel, wie eine Gestaltung unter Einsatz eines neutralen Grundtones schön aussehen kann.

mattes Sand als Fassadenfarbe

mattes Sand als Fassadenfarbe

Ein schöner, matter Ockerton, wie man ihn vielfach in Frankreich und Italien findet, ist für dieses alte Schulhaus in Bonn Plittersdorf eingesetzt worden. Der Sockel und die Fensterleibungen sind in einem verwaschenen Grau/Grün als Akzent. Das sieht doch so viel schöner aus, als wenn alles nur Weiß, maximal mit einem grauen Sockel, gestrichen wäre.

Fassade in Kaki

Fassade in Kaki

Hier sind Backsteine in Kaki Mineralfarbe gestrichen worden. Fensterbänke und Sockel in Basalt, einen dunklen Grau/Grün.

Fassade in Blau Grau

Fassade in Blau Grau

Hier kommt schön der mineralische Charakter hervor, ein bisschen verwaschen aber nie grell oder nach Platik aussehend. Farbton: Bergseeblau

Fassade im Farbton Leinen, natur

Fassade im Farbton Leinen, natur

Moderne Fassade in Naturtönen

Moderne Fassaden in Naturtönen

ein schönes, mattes Leinenweiß

ein schönes, mattes Leinenweiß, kein grelles Titandioxid, für einen Altbauklassiker

Ihr seht, so sehr ich Farben liebe, im Aussenbereich bin ich etwas zurückhaltender und liebe harmonische, ruhige Gestaltungen mit frischen Akzenten. Wenn ihr nicht wisst, wie ihr eure Fassade streichen sollt helfen wir gerne weiter. Habt ihr Fragen zur Technik, zur Vorbehandlung des Untergrundes oder zur Gestaltung, wie sind gerne für euch da!

Ob online, vor Ort oder in unserem Atelier – alle Infos zur Farbberatung innen und außen findet ihr hier. Der Mittwoch nachmittag in unserem Atelier zur offenen Sprechstunde steht wieder, aber bitte mit Anmeldung, damit wir die Termine coronatechnisch abstimmen können.

Ganz herzliche sommerliche Grüße,

eure Malermeisterin Ursula Kohlmann

PS: über die Entstehung unserer eigenen Farbpalette könnt ihr hier den Beitrag:„Darf ich vorstellen: VerWANDlung, die Kollektion“ lesen und wer unseren neue Imagefilm noch nicht gesehen hat kann ihn sich hier anschauen!